unterwegs beim Winzer - unsere Erfahrungen

09.09.2026

Erst fragen, dann losfahren - ein paar Dinge klären wir lieber vorher

Wir lieben die Urlaubszeit beim Winzer. Wohnmobil abstellen, ein bisschen durch die Weinberge laufen, später mit einem Glas Wein vor der Tür den Abend ausklingen lassen und am nächsten Morgen mitten im Weinland aufzuwachen. Dort, wo die Reben wachsen und der Wein zu Hause ist.

Aber wir haben auch gelernt, dass ein Stellplatz beim Weingut nicht automatisch bedeutet, dass alles so unkompliziert ist, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Heute fragen wir deshalb vorher einmal mehr nach.

Früher sind wir einfach losgefahren, wenn ein Stellplatz in der App gut aussah. Das machen wir nicht mehr. Ein kurzer Anruf beim Weingut gehört für uns inzwischen fast genauso dazu wie die Frage, welchen Wein wir abends probieren können.

"Habt ihr heute noch Platz?" ist dabei nur die erste Frage.

Wir wollen inzwischen wissen, wie die Zufahrt aussieht, ob unser Wohnmobil auf den Hof passt und wo wir tatsächlich stehen. Denn zwischen "Stellplatz vorhanden" und "mit einem größeren Wohnmobil angenehm anzufahren" können ein paar Meter liegen, die es in sich haben.

Gerade bei älteren Weingütern geht es manchmal durch enge Ortsstraßen und dann um eine Ecke, bei der wir uns schon gefragt haben, warum wir eigentlich nicht vorher angerufen haben.

Wir brauchen keinen Campingplatz. Aber wir müssen wissen, was uns erwartet.

Ein Stellplatz beim Winzer darf für uns einfach sein.

Wir brauchen nicht zwingend eine perfekt gepflasterte Parzelle, ein Sanitärgebäude und einen Brötchenservice. Wenn wir dafür direkt am Weinberg stehen, können wir mit weniger Komfort gut leben.

Aber wir möchten vorher wissen, wie wenig Komfort es tatsächlich ist. Gibt es Strom? Können wir Wasser bekommen?Gibt es eine Möglichkeit zur Entsorgung? Ist der Platz befestigt oder stehen wir auf einer Wiese? Und vor allem: Können wir eine Nacht problemlos autark stehen?

Unsere Auffahrkeile haben wir deshalb fast immer dabei. Nicht, weil wir besonders anspruchsvoll geworden sind. Sondern weil eine Wiese beim Winzer selten so aussieht wie eine perfekt nivellierte Stellplatzparzelle.


Dann ist da noch die Sache mit dem Wein.

Wir finden es völlig in Ordnung, wenn ein Winzer möchte, dass seine Gäste seinen Wein kennenlernen und vielleicht auch ein paar Flaschen mitnehmen.

Eigentlich ist genau das doch einer der Gründe, warum wir dort stehen.Trotzdem klären wir inzwischen vorher, wie der Stellplatz abgerechnet wird. Ist die Übernachtung kostenlos? Gibt es eine Stellplatzgebühr? Ist Strom extra? Kostet die Weinprobe etwas?Und wird erwartet, dass man Wein kauft?

Das fragen wir lieber vorher, ganz unkompliziert. Nicht weil wir beim Winzer auf den Cent schauen, sondern weil wir keine Lust auf Missverständnisse haben.

Wenn uns der Winzer seinen Keller zeigt und wir am Ende mit ein paar Flaschen mehr im Wohnmobil sitzen, ist das für uns sowieso meistens die angenehmere Form der Stellplatzgebühr.

Was wir heute wirklich vorher wissen wollen

Eine Sache hat sich bei uns besonders verändert: Wir lesen nicht mehr nur die guten Bewertungen. Wenn wir einen neuen Stellplatz anfahren möchten, schauen wir uns bewusst die kritischen Kommentare an. Nicht, um nach einem Haar in der Suppe zu suchen.

Wir wollen wissen, was uns dort tatsächlich erwarten könnte. Ist die Zufahrt eng? Wird es bei mehreren Wohnmobilen knapp? Ist die Wiese bei Regen problematisch? Gibt es nur eine Toilette? Ist die Straße nachts zu hören? Sind die Stellplätze wirklich so groß, wie sie auf dem Foto aussehen?

Solche Hinweise sind für uns viel wertvoller als die hundertste Bewertung, die einfach nur schreibt: "Super Stellplatz, gerne wieder." Denn genau diese kleinen Informationen entscheiden manchmal darüber, ob ein Platz zu uns passt.

Und dann gibt es Dinge, die man einfach vor Ort merkt.

Zum Beispiel, dass ein Winzer gerade mitten in der Weinlese steckt und überhaupt keine Zeit für eine ausführliche Weinprobe hat. Oder dass der Stellplatz viel kleiner ist, als wir ihn uns vorgestellt haben, dafür aber abends eine Bank hinter dem Haus steht, von der aus wir über die Weinberge schauen.

Solche Dinge lassen sich schlecht planen und vielleicht ist das auch ganz gut so.

Wir fahren nicht zum Weingut, weil wir dort die perfekte Camping-Infrastruktur erwarten. Wir fahren hin, weil wir für eine Nacht dort sein möchten, wo unser Wein entsteht.

Wenn wir vorher wissen, wie die Zufahrt ist, was der Stellplatz kostet und ob wir mit unserem Wohnmobil dort vernünftig stehen können, sind die wichtigsten Fragen geklärt. Der Rest darf ruhig ein bisschen Überraschung bleiben.